{"id":810,"date":"2023-12-15T20:05:23","date_gmt":"2023-12-15T19:05:23","guid":{"rendered":"https:\/\/iteadjoseph.com\/?p=810"},"modified":"2024-03-15T20:14:11","modified_gmt":"2024-03-15T19:14:11","slug":"joseph-ein-junger-braeutigam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iteadjoseph.com\/es\/joseph-ein-junger-braeutigam\/","title":{"rendered":"Ein junger Mann verm\u00e4hlt sich mit Maria&#8230;"},"content":{"rendered":"<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"728\" height=\"960\" src=\"https:\/\/iteadjoseph.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Betrothal-of-the-Virgin-Mary-with-St.-Joseph.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-118\" style=\"width:540px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/iteadjoseph.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Betrothal-of-the-Virgin-Mary-with-St.-Joseph.jpg 728w, https:\/\/iteadjoseph.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Betrothal-of-the-Virgin-Mary-with-St.-Joseph-228x300.jpg 228w\" sizes=\"auto, (max-width: 728px) 100vw, 728px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-left\">\u201eJoseph war wahrscheinlich ein <em>junger<\/em> Mann, stark, m\u00e4nnlich, athletisch, gut aussehend, keusch und diszipliniert. Anstatt ein Mann zu sein, der nicht f\u00e4hig war, zu lieben, muss er vor Liebe entflammt gewesen sein. So wie es der Gottesmutter sehr wenig Ehre machen w\u00fcrde, wenn sie ihr Gel\u00fcbde der Jungfr\u00e4ulichkeit abgelegt h\u00e4tte, nachdem sie eine alte Jungfer von 50 Jahren gewesen w\u00e4re, so h\u00e4tte es auch einem Joseph, der ihr Br\u00e4utigam wurde, weil er alt war, nicht viel Ehre gemacht. In jenen Tagen legten junge M\u00e4dchen wie Maria das Gel\u00fcbde ab, Gott einzigartig zu lieben, ebenso wie junge M\u00e4nner, von denen Joseph einer war, der so herausragend war, dass er als \u201egerecht\u201c bezeichnet wurde. Statt einer Trockenfrucht auf der Tafel des K\u00f6nigs, war er eher eine Bl\u00fcte voller Verhei\u00dfungen und Macht. Er war nicht am Abend seines Lebens, sondern am Morgen, sch\u00e4umend vor Kraft und kontrollierter Leidenschaft. Maria und Joseph brachten nicht nur ihre Jungfr\u00e4ulichkeitsgel\u00fcbde zu ihrer Verm\u00e4hlung mit, sondern auch zwei Herzen mit gr\u00f6\u00dferen Liebesstr\u00f6men, als sie jemals zuvor durch eine menschliche Brust geflossen waren. Wieviel sch\u00f6ner erscheinen Maria und Joseph, wenn wir in ihrem Leben sehen, was man als die erste g\u00f6ttliche Romanze bezeichnen k\u00f6nnte! Kein menschliches Herz wird von der Liebe des Alten zur Jugend bewegt; aber wer ist nicht bewegt von der Liebe zweier junger Menschen? Sowohl in Maria wie auch in Joseph gab es Jugend, Sch\u00f6nheit und Verhei\u00dfung. [\u2026] In Joseph und Maria finden wir [\u2026] zwei junge Menschen, die, bevor sie die Sch\u00f6nheit des einen und die stattliche Kraft des anderen kannten, bereit waren, diese Dinge f\u00fcr Jesus aufzugeben. Diejenigen, die sich also \u00fcber die Krippe des Jesusknaben gebeugt haben, sind nicht Greis und Jugend, sondern zwei junge Menschen, welche die Weihe der Sch\u00f6nheit einer jungen Frau und die Ergebenheit der starken Anmut eines Mannes gelebt haben.\u201c <\/p>\n<cite><em>~ Ehrw\u00fcrdiger Diener Gottes Erzbischof Fulton Sheen (in: The World\u2019s First Love: Mary, Mother of God)<\/em><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Wir alle kennen das Bild vom hl. Joseph als einem alten Mann \u2013 von einem hl. Joseph, der mehr wie ein Gro\u00dfvater als wie ein Vater aussieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir kennen dieses Bild, weil es uns auf Schritt und Tritt begegnet, in Kirchen, Museen oder im Internet. In der religi\u00f6sen Kunst des Mittelalters und der Renaissance und teils noch dar\u00fcber hinaus wird der hl. Joseph n\u00e4mlich \u00fcberwiegend als gebrechlich wirkender alter Mann mit sch\u00fctterem wei\u00dfen Haar, wei\u00dfem Bart, manchmal sogar gest\u00fctzt auf einen Gehstock, dargestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wollen dazu beitragen, dass dieses falsche Bild ein f\u00fcr alle mal \u00fcberwunden wird. Dieser \u00dcberwindungsprozess ist eigentlich schon lange im Gange. Denn seit Jahrhundert haben viele Heilige und Theologen zahlreiche Argumente gegen das volkst\u00fcmliche Bild vom greisenhaften hl. Joseph vorgebracht (und viele K\u00fcnstler haben darauf reagiert). Das Zitat von Fulton Sheen ist nur ein ausgew\u00e4hltes Beispiel, dem Dutzende an die Seite zu stellen w\u00e4ren. Die Argumente beziehen sich wie in diesem Fall auch meist auf die Jungfr\u00e4ulichkeit der Ehe zwischen Joseph und Maria \u2013 wenn einer der beiden Ehepartner ein Greis gewesen w\u00e4re, der aufgrund seines hohen Alters sowieso nicht mehr zu einer echten Liebesbeziehung in der Lage gewesen w\u00e4re, dann nimmt man dieser jungfr\u00e4ulich-keuschen und \u00fcbernat\u00fcrlich fruchtbaren Ehe gleichsam \u201eden Witz\u201c. Weitere Argumente kreisen um all die k\u00f6rperlich herausfordernden Aufgaben, die der hl. Joseph als Haupt der Hl. Familie zu erf\u00fcllen hatte. Ein gebrechlicher alter Mann h\u00e4tte weder durch sein Handwerk die Familie ern\u00e4hren k\u00f6nnen und noch weniger mit Maria und Jesus \u00fcber Nacht nach \u00c4gypten fliehen, die Strapazen des Weges ertragen und Frau und Kind wirksam besch\u00fctzen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Solche Argumente sind gut und sch\u00f6n. Dennoch wollen wir in diesem Beitrag die ganze Frage einmal geh\u00f6rig gegen den Strich b\u00fcrsten, indem wir fragen: Warum ist es eigentlich das Bild von einem jungen hl. Joseph, das \u00fcberhaupt erst Argumente braucht, um sich rechtfertigen zu k\u00f6nnen?<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind \u00fcberzeugt, dass es sich bei der viel diskutierten Altersfrage des hl. Joseph nur um ein Scheinproblem handelt. Wie alle Scheinprobleme l\u00f6st es sich sehr schnell, indem man es einmal aus einem anderen als dem gewohnten Blickwinkel angeht. In diesem Fall hei\u00dft das, die Perspektive und die Beweislast zun\u00e4chst umzukehren, d.h. nicht danach zu fragen, welche Argumente denn f\u00fcr \u201eden jungen hl. Joseph\u201c sprechen, sondern welche Argumente f\u00fcr \u201eden alten Joseph\u201c sprechen. Mit diesem Perspektivwechsel gelangt man recht schnell zu einer ebenso klaren wie \u00fcberraschenden Erkenntnis: Es gibt kein einziges Argument daf\u00fcr, warum der hl. Joseph ein alter Mann gewesen sein soll!<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-large-font-size\"><strong>1. Am Anfang steht eine tr\u00fcbe Quelle<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Das Bild vom hl. Joseph als einem alten Mann entstammt n\u00e4mlich nicht der Hl. Schrift, sondern den sogenannten \u201eApokryphen\u201c, in erster Linie dem sog. \u201eProtoevangelium des Jakobus\u201c. Bei den Apokryphen handelt es sich um au\u00dferbiblische Texte, die zwar die Apostel als Autoren anf\u00fchren, aber bereits von der fr\u00fchen Kirche als F\u00e4lschungen enttarnt wurden. Zwar k\u00f6nnen diese Texte teils als religionsgeschichtlich aufschlussreiche Dokumente m\u00fcndlicher \u00dcberlieferungen oder randst\u00e4ndiger Minderheitenmeinungen dienen. Insgesamt aber erkennt auch ein unbefangener Leser in diesen Texten eine starke Neigung zu kurioser Fabulierfreude. Sie sind ein Sammelsurium teils effekthascherischer Details, die vor allem die Neugierde der fr\u00fchen Christen befriedigten. Daher f\u00fcllen die meisten dieser Texte die erz\u00e4hlerischen L\u00fccken aus, die durch die vier Evangelien offengelassen wurden. Das betrifft vor allem die Kindheitsgeschichte Jesu und die Vorgeschichte Seiner Geburt, d.h. die Lebensgeschichte von Maria und Joseph.<\/p>\n\n\n\n<p>Manche der Apokryphen scheinen einem weitgehend rechtgl\u00e4ubigen Umfeld zu entstammen und \u00fcberliefern das, was man als &#8222;fromme Legende&#8220; bezeichnen mag. Dazu geh\u00f6rt etwa die Darstellung der Familiengeschichte Mariens; die Namen ihrer Eltern, der hll. Anna und Joachim, kennen wir nur aus den Apokryphen. Solche Texte kann man erg\u00e4nzend zu den vier Evangelien lesen; ihr Inhalt ist jedoch in keiner Weise verbindlich, sondern im Gegenteil eher mit Vorsicht zu behandeln. <\/p>\n\n\n\n<p>Andere sind deutlich h\u00e4retischen Ursprungs und inhaltlich nicht mit den vier Evangelien in Einklang zu bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bild des greisenhaften hl. Joseph entstammt dem sogenannten \u201eProto-Evangelium des Jakobus\u201c, einem erst in der Mitte des 2. Jahrhunderts entstandenen Text, den wir der ersteren Kategorie zuordnen k\u00f6nnen. Es handelt sich um keinen offen h\u00e4retischen Text, sondern um einen Text, der sogar Manches \u00fcberliefert, was sp\u00e4ter von der Kirche anerkannt wurde; dass die Eltern Mariens Joachim und Anna hie\u00dfen, wissen wir aus dem \u201eProto-Evangelium des Jakobus\u201c. Weil es sich aber um einen nicht-authentischen Text handelt, der im Gegensatz zu den vom Hl. Geist inspirierten Evangelien Irrt\u00fcmer enthalten kann, m\u00fcssen wir seine Inhalte eingehend pr\u00fcfen, um die Spreu vom Weizen trennen zu k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p>In diesem apokryphen Text wird ausf\u00fchrlich die Geschichte von der Verm\u00e4hlung Josephs mit Maria erz\u00e4hlt, die in den authentischen Evangelien bereits vorausgesetzt wird. Laut dieser apokryphen Erz\u00e4hlung soll Joseph ein alter Witwer gewesen sein, der durch ein g\u00f6ttliches Zeichen ausersehen wird, die jugendliche Maria, die bis dahin im Tempel gedient hat, zu ehelichen. Joseph ist dar\u00fcber wenig begeistert und str\u00e4ubt sich unter Verweis auf sein hohes Alter: &nbsp;\u201eS\u00f6hne habe ich bereits und bin ein alter Mann, sie aber ist ein junges M\u00e4dchen. Ich m\u00f6chte den Kindern Israel nicht zum Gesp\u00f6tt werden\u201c. Der Hohepriester des Jerusalemer Tempels droht ihm daraufhin mit starken Worten den Zorn Gottes an: \u201eF\u00fcrchte Dich vor dem Herrn, Deinem Gott! Und denke daran, was Gott Dathan und Abiram und Korah angetan hat, wie die Erde sich spaltete und sich verschlungen wurden wegen ihrer Widerrede! Und jetzt m\u00fcsstest Du bef\u00fcrchten, Joseph, dass Derartiges in Deinem Hause eintritt.&#8220; Joseph, der nat\u00fcrlich wenig Lust hat von der Erde verschlungen zu werden, knickt daraufhin vor lauter Furcht resigniert ein und nimmt Maria mehr oder weniger freiwillig zu sich nach Hause \u2013 nicht ohne ihr noch einmal einzusch\u00e4rfen, dass er eigentlich beruflich sehr besch\u00e4ftigt ist und f\u00fcr sie keine Zeit \u00fcbrig hat: \u201eUnd Joseph sprach zu Maria: ,Siehe, ich habe Dich in Empfang genommen aus dem Tempel des Herrn, und jetzt lasse ich Dich daheim in meinem Haus und gehe fort, um meine Bauten auszuf\u00fchren, und dann werde ich wieder zu Dir kommen. Der Herr wird Dich in der Zwischenzeit bewahren.\u2018\u201c Diese Zwischenzeit dauert, wie wir sp\u00e4ter im 12. Kapitel erfahren, ganze sechs Monate. Ein halbes Jahr, in dem Joseph seine frisch verm\u00e4hlte Braut erstmal alleine zu Hause sitzen l\u00e4sst?<\/p>\n\n\n\n<p>Eine merkw\u00fcrdige Geschichte! Was diese Geschichte soll, wird in den wiederholten Hinweisen auf die \u201eS\u00f6hne\u201c erkennbar, die der alte Witwer Joseph aus einer fr\u00fcheren Ehe mitbringt.<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Hinsicht gibt sich der Text damit als Teil eines Problemzusammenhangs zu erkennen, der durch die \u201eBr\u00fcder\u201c Jesu entstanden ist, von denen in den vier Evangelien mehrfach die Rede ist. In den ersten Jahrhunderten des Christentums gab es verschiedene \u00dcberlegungen dazu, wer diese Geschwister waren bzw. wer sie gezeugt hat. Manche meinten, dass Jesus zwar aus Maria der Jungfrau geboren war, dass Maria und Joseph danach aber miteinander verkehrt und weitere Kinder \u2013 diesmal auf nat\u00fcrlichem Weg \u2013 gezeugt haben. Diese Ansicht wurde von der Kirche f\u00f6rmlich als Irrlehre verurteilt. Eines der ersten marianischen Dogmen ist das der \u201eimmerw\u00e4hrenden Jungfr\u00e4ulichkeit\u201c, d.h. Maria war Jungfrau \u201evor, w\u00e4hrend und nach der Geburt\u201c (Zweites Konzil von Konstantinopel, 553 n.Chr.). Maria und Joseph lebten eine dadurch sprichw\u00f6rtlich gewordene \u201eJosephsehe\u201c, d.h. sie lebten jungfr\u00e4ulich, wie Bruder und Schwester zusammen. Wer waren dann aber nun die Br\u00fcder Jesu bzw. wer waren ihre Eltern, wenn Maria und Joseph sonst keine Kinder hatten?<\/p>\n\n\n\n<p>Wie auch die heutigen Sprachwissenschaften best\u00e4tigen, handelt es sich hierbei nur um ein vermeintliches Problem. Denn sowohl im altgriechischen, als auch im hebr\u00e4ischen, d.h. im biblischen Sprachgebrauch wurden alle nahen Verwandten, also auch Cousins und Cousinen als Br\u00fcder bzw. Schwestern bezeichnet (wie es bis heute in manchen Kulturkreisen der Fall ist). Die erw\u00e4hnten Br\u00fcder sind demgem\u00e4\u00df Cousins von Jesus, und zwar, wie sich aus einigen anderen Stellen erschlie\u00dfen l\u00e4sst, Kinder von Marias Schwester, die im Johannesevangelium als &#8222;Maria Kleophae&#8220;, d.h. als Maria, Frau des Kleophas (Joh 19,25), im Matth\u00e4usevangelium als &#8222;andere Maria&#8220; (Mt 28, 1) und sowohl im Markusevangelium (15,40; 16,1), als auch im Lukasevangelium (24,10) als &#8222;Mutter des Jakobus&#8220; bezeichnet wird. Nicht nur die kirchliche Lehre und Tradition, auch die biblische Exegese hat dies stets als \u00fcberzeugendste Erkl\u00e4rung best\u00e4tigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das sog. Protoevangelium des Jakobus versucht hier offenbar einen alternativen Ausweg zu formulieren, indem zwar nicht die Rede davon ist, dass Joseph und Maria weitere Kinder zeugten, aber davon, dass Joseph als Witwer aus einer fr\u00fcheren Ehe Kinder mitbrachte. Ein Witwer freilich \u2013 so die Logik des Textes \u2013 muss ein alter Mann sein. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn die Idee von Joseph als altem Witwer nicht an sich h\u00e4retisch ist, so leitet sie sich doch aus einem Irrtum ab. Der Verfasser dieses Textes \u2013 oder vielleicht die dahinterstehende Gruppe\/Gemeinde \u2013 meinte irrt\u00fcmlicherweise, dass die Existenz von \u201eBr\u00fcdern Jesu\u201c auf ein Problem weise, das man wom\u00f6glich durch die Annahme einer fr\u00fcheren Ehe Josephs l\u00f6sen k\u00f6nnte. Nur so kam man auf die Idee, Joseph m\u00fcsse bereits ein alter Mann gewesen sein, als er sich mit Maria verm\u00e4hlte. <\/p>\n\n\n\n<p>Zusammenfassend gesagt leitet sich die Vorstellung von Joseph als einem alten Mann also aus einem Problemfeld ab, f\u00fcr das die kirchliche Lehre eine andere und weitaus bessere L\u00f6sung aufzeigt \u2013 und diese L\u00f6sung l\u00e4sst sich auch wissenschaftlich zweifelsfrei best\u00e4tigen. Nimmt man dazu, dass das \u201eProto-Evangelium des Jakobus\u201c auch gar kein authentischer Text, sondern eine F\u00e4lschung ist \u2013 d.h. nicht vom hl. Jakobus bzw. einem der Apostel stammt \u2013, dann wird klar, dass die Vorstellung vom greisenhaften hl. Joseph einer tr\u00fcben und zweifelhaften Quelle entstammt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das <a href=\"https:\/\/patristica.net\/decretum-gelasianum&amp;la&amp;e\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/patristica.net\/decretum-gelasianum&amp;la&amp;e\">Dekretum Gelasianum<\/a>, in dem Papst Gelasius im Jahr 495 n.Chr. verbindliche Richtlinien \u00fcber den biblischen Kanon erlassen hat, findet bgzl. der Apokryphen noch deutlichere Worte. Das sog. Protoevangelium des Jakobus wird n\u00e4mlich in jene Reihe unechter Schriften eingereiht, von denen es hei\u00dft:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>\u201eDie von H\u00e4retikern und Schismatikern verfassten Schriften werden keineswegs von der katholischen und apostolischen r\u00f6mischen Kirche anerkannt; von diesen haben wir es f\u00fcr richtig befunden, einige anzuf\u00fchren, die uns \u00fcberliefert und von allen Katholiken zu meiden sind<\/em>  [Es folgt eine Liste aller Apokryphen]<em><em>.<\/em> Wir bekennen, dass diese und \u00e4hnliche Schriften, welche von H\u00e4resiarchen verfasst wurden <\/em>[\u2026],<em> nicht nur zur\u00fcckgewiesen, sondern aus der gesamten r\u00f6mischen, katholischen und apostolischen Kirche ausgesto\u00dfen und zusammen mit ihren Autoren und denen, die diesen Autoren folgen, mit dem unaufl\u00f6slichen Band des Anathemas in Ewigkeit verdammt werden.\u201c<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Dass einzelne Elemente aus den Apokryphen sich dennoch erhalten und, wie im Falle des Protoevangeliums und seiner Portr\u00e4tierung vom hl. Joseph als einem alten Mann, sich sogar verbreiten und lange Zeit allgemein durchsetzen konnten, liegt daran, dass sie von anderen Quellen, die nicht ausdr\u00fccklich verboten wurden, aufgenommen und durch diese weitertradiert wurden. Im Falle des hl. Joseph war das die \u201eLegenda Aurea\u201c, die \u201eGoldene Legende\u201c, ein \u00fcberreicher Fundus an Heiligenlegenden, der im Mittelalter zu den weitverbreitetsten Texten nach der Bibel aufr\u00fcckte. In der Legenda Aurea ist zwar nicht mehr die Rede von den Kindern Josephs aus einer fr\u00fcheren Ehe, aber das Bild von Joseph als altem Mann ist geblieben.<\/p>\n\n\n\n<p>So ist es wenig verwunderlich, dass in der kirchlichen Kunst des Mittelalters die Darstellung eines hl. Joseph, der seine beste Zeit bereits hinter sich hat, als er sich mit Maria verm\u00e4hlt, zum Standard wird und das lange noch bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun k\u00f6nnte man meinen, dass diese weite Verbreitung die Vorstellung nachtr\u00e4glich legitimiert hat \u2013 denn gilt in der katholischen Kirche nicht das Traditionsprinzip? Darauf ist zu antworten, dass nicht schlichtweg alles, was in der Geschichte der Kirche \u00fcberliefert wurde, im engeren Sinn als Tradition gilt. Es muss immer unterschieden werden, von wem und in welchem Kontext etwas \u00fcberliefert wurde \u2013 und nat\u00fcrlich, aus welcher Quelle es urspr\u00fcnglich stammt! Was die Quelle angeht, so k\u00f6nnen wir festhalten, dass es sich um eine tr\u00fcbe Quelle handelt, die von der Kirche sogar ausdr\u00fccklich verurteilt wurde. <\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Hinsicht ist das Protoevangelium des Jakobus tats\u00e4chlich ein eher komplizierter Fall, weil andere dort enthaltene Informationen, etwa die Familiengeschichte Mariens, von der Kirche bzw. der kirchlichen Tradition sp\u00e4ter nachtr\u00e4glich anerkannt wurden. Die Namen der Eltern Mariens, d.h. der hll. Joachim und Anna, wurden in den Heiligenkalender aufgenommen und werden daher zur Verehrung im \u00f6ffentlichen Leben der Kirche empfohlen; sie haben eigene Festtage mit einem eigenen liturgischen Messformular. Diesen Aspekt des Protoevangeliums k\u00f6nnen wir also dem &#8222;Weizen&#8220; zurechnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Davon ist das Bild vom greisenhaften Joseph zu unterscheiden. Denn dieses Bild wurde \u00fcberwiegend in der Kunst, weniger aber in den Schriften der Heiligen und gar nicht in einem \u201egeheiligten\u201c Kontext wie der Liturgie \u00fcberliefert. Die Kirche hat sich dieses Bild nie offiziell zueigen gemacht. Daher k\u00f6nnen wir diesen Aspekt des Protoevangeliums der &#8222;Spreu&#8220; zurechnen. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-large-font-size\"><strong>2. \u201eKeine kirchliche Lehre\u201c? Korrektur eines g\u00e4ngigen Irrtums<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Freilich haben manche geistlichen Autoren des Mittelalters versucht, dem g\u00e4ngigen Bild, dessen problematischen Ursprung man nicht mehr (genau) kannte, nachtr\u00e4glich einen Sinn abzugewinnen. So kam man auf die Idee, dass das fortgeschrittene Alter dazu angetan gewesen w\u00e4re, die Jungfr\u00e4ulichkeit Mariens zu \u201esch\u00fctzen\u201c. Anders, und zwar bewusst salopp gesagt: Dass die Ehe zwischen zwischen Maria und Joseph keusch war, konnte man sich nur dadurch vorstellen, weil da \u201eeh nichts gegangen w\u00e4re\u201c. Das ist freilich eine wenig glaubensstarke Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Ehe zwischen den <a href=\"https:\/\/iteadjoseph.com\/index.php\/2023\/12\/30\/unbefleckte-empfaengnis\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/iteadjoseph.com\/index.php\/2023\/12\/30\/unbefleckte-empfaengnis\/\">beiden heiligsten Menschen, die jemals gelebt haben<\/a>. Darum hat dieses Erkl\u00e4rungsmotiv den Einspruch vieler Heiliger provoziert. Das Eingangszitat von Fulton Sheen ist ein modernes Beispiel, doch bereits im Sp\u00e4tmittelalter finden sich \u00e4hnlich kritische Bemerkungen, die alle in Variationen das gleiche Argument vorbringen: Keuschheit ist nicht Pr\u00fcderie und Tugend aus Schw\u00e4che ist gar keine Tugend.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir teilen diese Ansicht, m\u00f6chten darauf aber nicht so sehr den Fokus richten. Denn dieses Argument setzt ja bereits voraus, dass es \u00fcberhaupt n\u00f6tig ist, \u00fcber diese Frage in ein \u201eF\u00fcr\u201c und \u201eWider\u201c einzutreten. In dem Moment, wo man sich darauf einl\u00e4sst, welches Alter nun am Ehesten f\u00fcr unsere jeweiligen Glaubensvorstellungen \u201eattraktiv\u201c erscheint, hat man die eigentlich prim\u00e4re Frage schon \u00fcbersprungen: Ob der hl. Joseph alt oder jung war, ist eine rein objektive Faktenfrage! Als Joseph sich mit Maria verm\u00e4hlte, war er entweder alt oder er war jung \u2013 unabh\u00e4ngig davon, was uns nun besser \u201egef\u00e4llt\u201c. Es geht darum, wie es <em>wirklich gewesen ist<\/em>, nicht darum, wie es <em>besser<\/em> <em>h\u00e4tte sein<\/em> <em>sollen<\/em>! Solche Argumente, die aufzeigen wollen, warum es stimmiger ist, sich Maria und Joseph als junges Paar vorzustellen, sind zwar gut und sch\u00f6n, sie sagen aber noch nichts Definitives dar\u00fcber aus, ob es nun objektiv so gewesen ist oder eben nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun gibt es Viele, die behaupten, man k\u00f6nne Beides gleicherweise \u201eglauben\u201c, weil die Kirche hierzu keine eindeutige Lehrmeinung vertritt.<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf ist zweierlei zu antworten:<\/p>\n\n\n\n<p>Erstens haben wir ja bereits festgestellt, dass die Vorstellung vom greisenhaften hl. Joseph sich aus einer sehr zweifelhaften und sogar kirchlich <em>verurteilten<\/em> Quelle ableitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun mag man vielleicht einwenden, dass zwar die Quelle verurteilt wurde, nicht aber jede einzelne darin enthaltene Vorstellung auch ausdr\u00fccklich verurteilt wurde. Die dort enthaltene Familiengeschichte Mariens, v.a. die Namen ihrer Eltern Joachim und Anna wurden von der Kirche sp\u00e4ter sogar \u00fcbernommen. Solange die Kirche sich also nicht eindeutig zur Frage des Alters des hl. Joseph ge\u00e4u\u00dfert habe, bleibe diese Frage demnach offen. Ein solcher Einwand geht jedoch nicht nur an der Sache vorbei, sondern offenbart ein sehr grundlegendes Missverst\u00e4ndnis dar\u00fcber, wie das kirchliche Lehrsystem funktioniert (vgl. dazu auch den Beitrag \u00fcber \u201e<a href=\"https:\/\/iteadjoseph.com\/index.php\/2023\/11\/06\/josephs-zweifel\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/iteadjoseph.com\/index.php\/2023\/11\/06\/josephs-zweifel\/\">Josephs Zweifel<\/a>\u201c).<\/p>\n\n\n\n<p>In der heutigen Zeit, in der die kirchliche Lehre sogar von vielen kirchlichen Amtstr\u00e4gern infrage gestellt wird, ist es zwar sehr l\u00f6blich, wenn fromme Katholiken besonders glaubenstreu sein wollen und sich in erster Linie immer daran orientieren, was die Kirche f\u00f6rmlich lehrt. Als Katholiken haben wir unseren Glauben schlie\u00dflich an der kirchlichen Lehre auszurichten. In der Tat sind alle f\u00f6rmlich definierten Dogmen von jedem Katholiken bei Gefahr seines Seelenheils f\u00fcr wahr zu halten, das hei\u00dft, man muss den katholischen Glauben in seiner Gesamtheit annehmen, um gerettet zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Es w\u00e4re allerdings ein Missverst\u00e4ndnis, wenn man meinen w\u00fcrde, dass deswegen alles, was nicht dogmatisch letztg\u00fcltig definiert ist, schlechthin zur Disposition st\u00fcnde. Gerade in solchen F\u00e4llen kommt es im Gegenteil darauf an, den Sachverhalt mithilfe der Vernunft zu pr\u00fcfen und alle Argumente sorgsam gegeneinander abzuw\u00e4gen. Am Ende dieses theologischen Reflexionsprozesses kann man zu einer Schlussfolgerung gelangen, die einen hohen Geltungsgrad besitzt und der zu widersprechen schlicht unvern\u00fcnftig w\u00e4re, auch wenn sie nat\u00fcrlich immer noch nicht den absoluten Geltungsgrad einer geoffenbarten Glaubenswahrheit hat.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-large-font-size\"><strong>3. Und doch: Die Heilige Schrift pr\u00e4sentiert den hl. Joseph als jungen Mann!<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Wenn wir zur Kl\u00e4rung dieser Frage also zun\u00e4chst alle aus tr\u00fcben Quellen stammenden Vorstellungen abstreifen, dann verbleibt als einzige heranzuziehende Quelle die Heilige Schrift.<\/p>\n\n\n\n<p>Freilich mag man hier gleich einwenden, dass die Evangelien, die ja insgesamt sehr wenig \u00fcber den hl. Joseph berichten, nichts Eindeutiges \u00fcber sein Alter aussagen. Hei\u00dft das, dass die Evangelien das Alter des hl. Joseph <em>offenlassen<\/em>? Nein! Was das hei\u00dft, ist zun\u00e4chst nur, dass das Alter des hl. Joseph den Evangelisten nicht eigens erw\u00e4hnenswert schien. Daraus k\u00f6nnen wir schlie\u00dfen, dass es aller Wahrscheinlichkeit nach der damaligen Norm entsprach.<\/p>\n\n\n\n<p>Im antiken Judentum war es \u00fcblich, dass die Braut zwischen 12 und 16 Jahren alt war. Wenn wir also Marias Alter in diesem Bereich ansetzen, dann d\u00fcrfte der hl. Joseph zwischen 25 und 30 Jahren alt gewesen sein. Dass der Br\u00e4utigam ein gutes Jahrzehnt \u00e4lter ist als die Braut, war w\u00e4hrend der Zeit der Antike und weit dar\u00fcber hinaus die Regel (und bis in unsere Tage ist dies nicht v\u00f6llig un\u00fcblich). Dieser Befund erh\u00e4rtet sich, wenn man die zus\u00e4tzliche Tatsache ber\u00fccksichtigt, dass in j\u00fcdischer Tradition gr\u00f6\u00dfere Altersunterschiede zwischen den Ehepartnern strengstens verp\u00f6nt sind (vgl. dazu den Talmud, Traktat Yevamot \u00fcber die Ehe 44a).<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz gesagt: Wenn das Alter des hl. Joseph au\u00dferhalb der normalen Vorstellungen von einem Br\u00e4utigam gelegen h\u00e4tte, dann w\u00fcrde man erwarten, dass der Evangelientext dies eigens hervorhebt und ggf. erkl\u00e4rt. Indem er das nicht tut, scheint das Alter den Erwartungen der damaligen Zeit entsprochen zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun kommt aber ein noch viel konkreteres Indiz hinzu:<\/p>\n\n\n\n<p>Im Lukasevangelium wird die Geburt Jesu in eine Parallele zur Geburt Johannes des T\u00e4ufers gebracht. Bevor die Verk\u00fcndigung an Maria geschildert wird, erz\u00e4hlt uns das Lukasevangelium von Zacharias und Elisabeth, den Eltern des hl. Johannes des T\u00e4ufers. Als der Erzengel Gabriel Zacharias, dem Hohenpriester, im Tempel erscheint und die Geburt des hl. Johannes ank\u00fcndigt, antwortet Zacharias mit den Worten: \u201eWoran soll ich dies erkennen? Denn ich bin ein alter Mann, und meine Frau ist in fortgeschrittenem Alter\u201c (Lk 1,18). Zacharias bezeichnet sich also ausdr\u00fccklich als alten Mann (im altgriechischen Urtext \u03c0\u03c1\u03b5\u03c3\u03b2\u03cd\u03c4\u03b7\u03c2\/presbyt\u0113s, im lateinischen Text <em>senex<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn die Rede etwas sp\u00e4ter auf den hl. Joseph kommt, so wird dieser hingegen nur als \u201eMann\u201c bezeichnet (Lk 1,27). Im Altgriechischen hei\u00dft er \u201ean\u0113r\u201c (\u1f00\u03bd\u03ae\u03c1; lateinisch <em>vir<\/em>). Als \u201ean\u0113r\u201c wird im Altgriechischen ein Mann in seinen besten Jahren bezeichnet, der als heirats- und waffenf\u00e4hig galt. Es war nur <em>eine<\/em> Bezeichnung, die der Evangelist aus einer ganzen Palette von m\u00f6glichen Bezeichnungen f\u00fcr einen erwachsenen Mann ausgew\u00e4hlt hat, und die hier gew\u00e4hlte Bezeichnung kontrastiert auff\u00e4llig mit derjenigen des Zacharias.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Altgriechische unterscheidet n\u00e4mlich sehr differenziert den <em>jugendlichen Mann<\/em> (\u03bd\u03b5\u03b1\u03bd\u03af\u03c3\u03ba\u03bf\u03c2; nean\u00edskos) vom <em>Mann (<\/em>\u1f00\u03bd\u03ae\u03c1; an\u0113r), diesen vom <em>alten Mann<\/em> (\u03c0\u03c1\u03b5\u03c3\u03b2\u03cd\u03c4\u03b7\u03c2; presbyt\u0113s) und diesen vom <em>Greis <\/em>(\u03b3\u03ad\u03c1\u03c9\u03bd; g\u00e9ron). Gem\u00e4\u00df dem j\u00fcdischen Historiker Philo von Alexandrien, der von 15\/10 v.Chr. bis 40\/50 n. Chr. gelebt hat, also Zeitgenosse Jesu war, entsprechen diesen Bezeichnungen folgende Altersspannen (vgl. <em>De opificio mundi<\/em>, 105):<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td>1. Jugendlicher Mann (nean\u00edskos)<\/td><td>21\u201328<\/td><\/tr><tr><td><strong>2. Mann (an\u0113r) &nbsp;<\/strong>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td><td><strong>28\u201349<\/strong><\/td><\/tr><tr><td>3. Alter Mann (presbyt\u0113s) &nbsp;&nbsp;<\/td><td>49\u201356<\/td><\/tr><tr><td>4. Greis (g\u00e9ron) &nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td><td>ab 56<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>Auch wenn das Evangelium also kein pr\u00e4zises Alter nennt, so k\u00f6nnen wir dieses zuverl\u00e4ssig eingrenzen. Die Wortwahl schlie\u00dft aus, dass der hl. Joseph \u00e4lter als 49 Jahre alt war. Zwar bleibt dann immer noch eine gewisse Spannweite zwischen 28 und 49 Jahren. Doch hier d\u00fcrfen wir aufgrund unserer vorherigen Argumentation davon ausgehen, dass der Altersunterschied zwischen Braut und Br\u00e4utigam im Normbereich lag, d.h. dass der hl. Joseph nicht wesentlich \u00e4lter als 30 Jahre alt war; anderenfalls h\u00e4tte der Bibeltext aller Wahrscheinlichkeit nach darauf hingewiesen. Rein rational betrachtet kann der hl. Joseph zum Zeitpunkt der Verm\u00e4hlung demnach <em>sicher<\/em> nicht \u00e4lter als 49 Jahre und <em>wahrscheinlich<\/em> nicht viel \u00e4lter als 30 Jahre alt gewesen sein!<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-large-font-size\"><strong>4. Fazit<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Fasst man all dies zusammen, so bedeutet das:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-medium-font-size\"><strong><\/strong><strong>Die Vorstellung von einem alten hl. Joseph entstammt einer kirchlich verurteilten Quelle und findet weder einen Anhaltspunkt im authentischen biblischen Text, noch kann sie ein \u00fcberzeugendes theologisches Argument f\u00fcr sich beanspruchen. Es gibt also keinen positiven Grund daf\u00fcr, diese Ansicht zu vertreten.<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\"><strong><\/strong><strong>Die Vorstellung von einem jungen hl. Joseph ist hingegen schlichtweg das, was jeder unbefangene Leser des Evangeliums nat\u00fcrlicherweise erwarten w\u00fcrde; sie wird durch die Wortwahl im Lukasevangelium (1,27) eindeutig impliziert.<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\"><strong>Zus\u00e4tzlich dazu gibt es eine Reihe von Gr\u00fcnden, warum die Vorstellung von einem jungen hl. Joseph auch viel eher mit allen relevanten Glaubensvorstellungen \u201ezusammenpasst\u201c.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p><strong><em>Daraus folgern wir: Der heilige Joseph war ein junger und starker Mann, als er sich mit Maria verm\u00e4hlte. Dies ist eine historische Tatsache, an der kein begr\u00fcndeter Zweifel bestehen kann.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es stimmt also nicht, wenn viele Autoren schreiben, man k\u00f6nne als Katholik das eine oder andere glauben, nur weil es keine eindeutige kirchliche Lehrmeinung dazu gebe. Der hl. Joseph war eine historische Person, deren Alter man mit ausreichender Gewissheit aus den entsprechenden historischen Quellen (den Evangelien) mit rein rationalen Mitteln erschlie\u00dfen kann. Es gibt auch keine kirchliche Lehrmeinung dazu, dass Julius Caesar gelebt hat, dass es vier Jahreszeiten gibt oder dass man in Deutschland deutsch spricht, und dennoch w\u00fcrde doch niemand auf die Idee kommen, dass man dies vern\u00fcnftigerweise anzweifeln k\u00f6nnte. Zugegeben, das sind stark \u00fcberspitzte Vergleiche, aber wir m\u00f6chten einfach nachdr\u00fccklich betonen, dass es das kirchliche Lehramt gar nicht erst braucht, um die \u201eFrage\u201c nach dem Alter des hl. Joseph zu beantworten. Die Antwort ergibt sich klar aus dem textlichen Befund des Lukasevangeliums. <\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem wir also festgestellt haben, dass Joseph und Maria tats\u00e4chlich ein junges Paar waren und tats\u00e4chlich jungfr\u00e4ulich miteinander gelebt haben, k\u00f6nnen wir zuletzt wieder auf die Ausf\u00fchrungen von Fulton Sheen zur\u00fcckkommen. Wir k\u00f6nnen diese dann n\u00e4mlich nochmals mit neuen Augen lesen. Seine starken und poetischen Worte, mit denen er die Hoheit, den Adel und die Sch\u00f6nheit dieser Ehe beschreibt, erhalten jetzt erst ihre ganze Strahlkraft, wenn wir erkennen, dass sie etwas beschreiben, was tats\u00e4chlich so gewesen ist! Es sind dann keine Argumente mehr, warum es so am Sch\u00f6nsten <em>gewesen w\u00e4re<\/em>, sondern es sind Versuche, die <em>tats\u00e4chliche<\/em> Sch\u00f6nheit in Worte zu kleiden \u2013 jene Sch\u00f6nheit, die Maria und Joseph in ihrer gegenseitigen jungfr\u00e4ulichen Liebe und selbstlosen Hingabe ausgestrahlt haben. Drei\u00dfig Jahre lang gaben Jesus, Maria und Joseph in ihrem verborgenen Leben in Nazareth das Bild vollendeter Sch\u00f6nheit ab. Maria, die unbefleckt Empfangene und ganz Reine, war die heiligste und sch\u00f6nste Frau, die je auf Erden gelebt hat. Joseph, der in seinem gesamten Leben keine einzige S\u00fcnde begangen hat, war nicht nur der heiligste Mensch nach Maria, sondern er war zum Zeitpunkt der Verm\u00e4hlung auch ein junger, starker und gutaussehender Mann, der sich mit Leib und Seele seiner Berufung zum Br\u00e4utigam der jungfr\u00e4ulichen Gottesmutter verschrieben und so all seine nat\u00fcrlichen Anlagen dem H\u00f6heren gebeugt hat. Maria und Joseph waren sich der Sch\u00f6nheit des jeweils anderen so bewusst, wie es von zwei Menschen in der Bl\u00fcte ihrer Jugend zu erwarten ist. Tag f\u00fcr Tag durften sie sich an der Sch\u00f6nheit des anderen in vollkommener Reinheit, Selbstlosigkeit und Unschuld erfreuen.<\/p>\n\n\n\n<p>Umso mehr gewinnt ihr Beispiel an Leuchtkraft f\u00fcr die durch und durch hedonistisch-materialistische, \u00fcbersexualisierte und verschmutzte Kultur unserer Tage. Blicken wir daher auf dieses attraktive und jungfr\u00e4uliche Paar, um zu erahnen, wie sch\u00f6n und anziehend die Tugend der Keuschheit ist. Indem wir mit der Gnade Gottes mitarbeiten und unsere sinnlichen Leidenschaften disziplinieren, werden wir nicht langweilig und pr\u00fcde, sondern erhalten nach und nach etwas von dem Glanz, der Maria und Joseph umschwebte. M\u00f6gen wir daher auf die F\u00fcrsprache der Heiligen Familie wahre Reinheit des Leibes und der Seele erlangen!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>Jesus, Maria und Joseph \u2013 erleuchtet uns, helfet uns, rettet uns!<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eJoseph war wahrscheinlich ein junger Mann, stark, m\u00e4nnlich, athletisch, gut aussehend, keusch und diszipliniert. Anstatt ein Mann zu sein, der nicht f\u00e4hig war, zu lieben, muss er vor Liebe entflammt gewesen sein. 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